“Wir kiffen alle”: Ein Abend mit dem Schöneberger Seniorenkickerklub

Woher die Idee genau kommt, weiß ich nicht mehr. Aber irgendwie weiß ich es einfach: Heute ist der Abend. Nach bald vier Jahren in Berlin,

DER Abend, an dem wir endlich, endlich “Robbys Dart Perle” betreten.

robbys dart perle
Fenster zu Robbys Dart Perle

Und zwar egal wie unangenehm es werden wird. Egal wie fremd wir uns fühlen werden. Egal wie schlecht wir sind im Dart spielen (– schlecht). Denn heute bin ich zu Abenteuern bereit. Es ist Freitagabend und die Woche, die hinter mir liegt, war eine gute Woche. Und wir sind in Berlin und der Frühling ist schön und man muss doch ab und an ein kleines Abenteuerchen haben!

“Wollen wir nicht lieber zu Mutter?” fragt der Norweger noch mit einem letzten Funken Hoffnung. “Bei Mutter gibt es 60 verschiedene Rumsorten,” hängt er noch an.

“Ich spüre es einfach, Mannli,” hauche ich. “Heute ist der Abend. Heute müssen wir zu Robby.”

Continue reading ““Wir kiffen alle”: Ein Abend mit dem Schöneberger Seniorenkickerklub”

“Sorry Leute, heute ist mein letzter Tag.”: Das Berliner Startup

IMG_20160201_095004
Blick aus dem Büro

Wir schreiben den 1. Februar 2016, viertelvor Zehn morgens, und Frau Belli steht kurz davor, ihre Stelle als Online Marketing Managerin anzutreten.

Wie sie den Job genau geangelt hat ist ihr selbst etwas unklar; studiert hat sie das alles jedenfalls nicht und Norwegisch spricht sie auch nur so schwavelmäßig. Aber das hat sie auch mehrfach betont in ihren — Plural — Bewerbungsgesprächen.

“Ich mache das nur, wenn ALLE wissen, dass ich noch viel zu lernen habe. Vor allem Norwegisch. Ich muss wissen, dass ich vom gesamten Team volle Rückendeckung habe. UND, dass DU mich voll und ganz einarbeitest.”

Ja, meinte ihr Gegenüber mit den leuchtend rehbraunen Augen. Selbstverständlich! Ist ja klar. Es seien sich natürlich alle im Team bewusst, dass ich “voll-junior” sei. Und, dass ich das alles nicht nur zum ersten Mal, sondern auch noch zum ersten Mal auf Norwegisch machen würde. Was ja zugegebenermaßen — das sagte sie dann schon auch noch — ein klein wenig ambitiös sei.

“One could say you’re… ambitious” sagte auch der fremde Norweger, der meine Sprachkenntnisse kurz später auf Herz und Nieren prüfte. “That’s good. Ambition is good.”

Na dann! Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? So ist das nun mal mit Frau Belli. Das kriegen wir schon irgendwie hin.

Und selbstverständlich, meinte Madame Rehbraun, würde sie Frau Belli unter ihre Fittiche nehmen. Sie würde das unerfahrene Ding natürlich mehrere Monate anlernen und für alle Fragen da sein. Alles gar keine Frage. MUSS ja sein, in so einer Position.

Gut. In dem Falle haben wir eine Abmachung, sagte Frau Belli. Und fühlt sich erleichtert.

Dann also der 1. Februar 2016. Der Aufzug rattert für meine Verhältnisse etwas zu stark, und dann geht die Tür auf zum 8. Stockwerk und vor mir breitet sich das Startup aus wie es leibt und lebt — bequeme Sofas räkeln sich sonnengelben Wänden entlang. Wände, auf denen weiße Motivationssprüche stehen, und junge Menschen mit Laptops hängen zwischen den Kissen und halten in dieser sonnendurchfluteten “Lounge” offensichtlich Meetings ab.

Im “get-together”-Raum dann der Kickertisch (Tschüttelichaschte, für meine Schweizer Freunde) und die kostenfreie Club Mate (ja, wirklich).

Ich werde sogleich mit einer weiteren Neuen anhand von einer Power-Point-Präsentation “ge-onboardet”. Soweit, so gut.

Und ich weiß schon, was als nächstes passieren wird. Man wird mich zur IT schicken. Ich werde meinen Laptop ausgehändigt bekommen. Dann werde ich von Raum zu Raum geführt werden, allen mal kurz hallo sagen, meinen Platz neben Madame Rehbraun  einnehmen und erstmal alles ein bisschen… mental aufnehmen. Mein Emailprogramm einrichten. Meinen Browser festlegen. Mittagessen gehen. Dann vielleicht die erste Aufgabe kriegen und sie dann etwas zitternd vor Aufregung erledigen. Ein normaler, erster Tag halt. Da gibt es noch nicht massenhaft zu tun.

Oh Frau Belli. Naive Frau Belli.

Continue reading ““Sorry Leute, heute ist mein letzter Tag.”: Das Berliner Startup”