25 jahre belli, 1 jahr bellin

meinen ersten berliner geburtstag feierten wir zu dritt im bett. beim alex. mit meinem norweger – und binischmini.

2013-08-31 23.54.28

das kam folgendermassen zu stande: wir waren an jenem vorgeburtstags-abend gerade in einer historischen ecke von mitte unterwegs. dort, wo ich arbeite und die hintersträsschen von kleinen kunsträumen, delikatessenläden und gehobenen – aber natürlich unbedingt hippen – cafés gesäumt sind. der zeiger ging langsam gegen zwölf und wir hatten aufgrund einer galerie-eröffnung schon ein, zwei gläschen gratis-wein intus. heiter und spontan zog es uns an einen der berlinigsten orte berlins: die monbijoubrücke.

es war, als wäre ich in eine wundersame kapsel geschlüpft, die die prächtige stadt auf wenige, glitzernde meter kompremiert hatte. nicht nur spannt die brücke über die so berlinische spree – sie verbindet auch die wunderbar einzigartige kreation namens museumsinsel (und ja, es ist wirklich eine insel bepflanzt mit museen, allesamt weltkulturerbe der unesco) mit… ja, mit alledem, was nicht insel ist. und so bestaunten wir da oben im nachtdunkeln die erleuchteten, erhabenen fassaden des bodemuseums; in der weite der riesige fernsehturm, der über den millionen von menschen grünlich schimmernd in die höhe ragte. unter uns zogen die ultraflachen disco-schiffe in regelmässigen abständen vorbei und sandten helle, kreisende lichtkegel über die dächer. und dem ufer entlang glühten kleine, bunte lichterketten, in deren schimmer eine schar nostalgiker zu dudelnder swing-musik aus den 40jahren gesellig dahintanzte. einen besseren und belligeren ort hätte ich mir nicht vorstellen können und als binischmini um exakt 12 uhr  unerwartet die korken knallen liess, wurde ich überrascht (und erfreut!) aus meiner geistigen entrücktheit gerissen. champagner auf der monbijoubrücke – es geht also doch NOCH besser! und so wurde ich von zwei liebenswürdigen herzensmenschen bis zum erröten besungen. so schwebte ich in meiner kleinen, persönlichen glückskapsel.

“oh!” sagte binischmini plötzlich. “ein bett. ich sehe ein bett – an einem velo!” ja, tatsächlich. und so ward die super-idee geboren.

das seltsame gefährt – übrigens das einzige in ganz berlin – war tatsächlich mietbar. touristisch und peinlich? oh ja. trotzdem unverzichtbar? selbstverständlich. der übrigens äusserst herzliche fahrer, richard, wurde dann auch sogleich von meinen zwei reizenden begleitern über die herrschenden geburtstagsumstände aufgeklärt – er gab mir sogleich eine umarmung und wies uns an, es uns einfach bequem zu machen. wir hätten auf alle fälle still zu liegen und sollten uns einfach eine halbe stunde lange von berlin im bett bezaubern lassen.

und so strampelte richard mit uns im bett mitten durch mitte – und mindestens die hälfte davon schwappte meine seele von einem lachanfall zum nächsten. es fing schon einmal damit an, dass wir direkt an meinem arbeitsplatz vorbei zogen – wo ich (etwas peinlich berührt) mein gesicht vorsorglich zwischen den mich umgebenden kissen und körpern versteckte. dann ging es durch ausgangsmeilen über die hackeschen höfe hin zum alexanderplatz, wo richard zuvorkommend vom drahtesel hüpfte und von uns im bett fotos machte – hier liegend vor der weltzeituhr, da vor dem fernsehturm, dort vor einer oktoberfest-ähnlichen hütte. da muss man einfach lachen.

das beste aber waren die menschen. man würde meinen, nach der ersten verdutztheit käme die herablassung (oh gott, diese touristen!) — aber nichts dergleichen. in der ersten halben stunde meines neuen lebensjahres (und meines zweiten vierteljahrhunderts) waren alle gesichter hell und freudig. alle winkten, alle zeigten auf uns, alle strahlten. menschen auf dem gehsteig, hinter autoscheiben, in bars – die begeisterung war ihnen ins gesicht geschrieben, und manche riefen, es sei “die beste erfindung überhaupt”. das fand ich auch, denn ich beneide kleinkinder insgeheim schon lange um ihr fahrbares bett, welches dank mama restaurant und unterhaltungslokal zugleich ist. ein traum war also unerwarteterweise in erfüllung gegangen, und so gluckste ich glücklich vor mich hin. und auch der skandinavier wird es genossen haben, zwischen zwei damen im bett zu liegen (obwohl er auf den fotos eher etwas zurückhaltend und zerquetscht vor sich hin grinst).

der eigentliche geburtstagstag  ging ähnlich entspannend, aber dann doch etwas ruhiger weiter: einen ausgiebigen brunch bei sonnenschein, einen gemütlichen spätsommerspaziergang durch den nachberschaftspark – in schmackhafter begleitung von leckmich schokoladen-orangen-eis. dann einen besuch auf dem schöneberger winterfeldt-markt, wo es übrigens neben schmuckwaren auch haufenweise farbenfrohe blumen, duftende kräuter und exotische leckerbissen zu haben gibt (ein schöneberger  samstagstipp!), währenddem verkäufer laut den preis ihrer ware über die köpfe hinweg posaunen. und am abend dann eine dampfende pfanne znacht, bevor es anlässlich der langen nacht der museen wieder zentrumwärts ging. die letzten minuten des belliläums verbrachte ich so in gesellschaft von majestätischen rochen, schwebenden quallen und kleinen haien im wunderbaren aquarium berlins. ein perfekt erholsamer tag!

so. das war ein grund zum feiern: 25 jahre belli. zwei wochen darauf gab es einen zweiten: 1 jahr belli in berlin.

ich vergass ihn. sowie ich auch wohl oder übel den sommer vergessen musste. gleich zwei meiner professoren haben sich nämlich entschieden, die deadlines so zu setzten, dass ich august und september jeweils bis sieben oder acht über büchern in der bibliothek brüten musste. an den wochenenden wiederum arbeitete ich im museum. fast unbemerkt zogen so die sonnentage vorbei (und für mich als sommermensch war das zwar ein 1.-welt-problem, aber dafür ein überaus ärgerliches). abends nach der arbeit legte ich mich manchmal in den park und roch mit herzschmerz den vergangenen august-tag. einmal brachte mir eine freundin, die ich gerne ‘meine kleine finnin’ nenne, ungefragt ein tütchen mit einer kleinen flasche rotkäppchen sowie fünf bunten makrönchen vorbei, nur um zu sehen ob ich noch lebe. das war wunderbar – und auch, dass sie mich für eine sehr erholsame stunde auf einen sonnigen spielplatz zum schaukeln entführte.

nach drei wochen fast ununterbrochener tätigkeit, sowohl an wochen- wie auch an wochenendtagen, war mein geburtstag also eine lang ersehnte, vierundzwanzigstündige pause. am nächsten tag ging es aber wieder zwei wochen so weiter – und als dann der 15. september vor der türe stand, sah ich genau nur das dick angestrichene wort “DEADLINE” in meinem kalender. um elf uhr morgens sandte ich mit einem klick meine letzte arbeit über virtuelle strassen ans ziel. ich hatte es geschafft. ich war frei. ich hatte ferien. das musste gefeiert werden. aber es war ein spätsommersonntag – die meisten meiner berlin-menschen waren überall auf dem globus zerstreut, und ich wusste gar nicht so recht, was tun. so lud ich meine kleine finnin (ja, meine kleine finnin, das ist jetzt dein blog-name, und der bleibt!) zum abendessen ein, und wir prosteten auf geschaffte deadlines und – in ihrem fall – auf den entschluss, bis auf unbestimmte zeit in berlin zu bleiben.

zwei tage später realisierte ich, dass der 15. september nicht nur meine blöden deadlnes markiert hatte.

am 15. september vor einem jahr knatterte ein flugzeug mit einem koffer und einem belli über viele städte deutschlands nach berlin. mitten in den kreuzberg. vor einem jahr stand ich da und hatte nichts – keine wohnung, keinen job, keine ahnung, kein bankkonto, (keinen ausländerausweis….). nur ein befristetes zimmer gegenüber einer bar, die sich ‘jodelkeller’ nennt. und einen studienplatz. wenn ich ein jahr zurückdenke, liegt die anfangszeit bereits so weit weg, dass ich fast schon kreuzbergweh kriege. ach, damals. in jenem ersten oktober, als der himmel drei wochen lang wolkenlos und tiefblau war, und ich mit meinem (bis heute treuen) flohmarktgöppel die unbekannten strassen berlins erkundete. ich probierte und bewertete curry-würste, entdeckte faszinierende alleen, beklomm den kreuzberg, verirrte mich im bücherwald und sah in verschiedenen pärken den bäumen beim farbenfest zu. ich hatte exzellente gespräche mit meiner berlin-mama und mitbewohnerin, ich servierte röschti – und zwischen all den schönen erlebnissen schob ich einen angsteinflössenden panik-anfall nach dem andern. keiner davon schaffte es hier in diese zeilen, denn ich hatte trotz der distanz wertvolle menschen, die jederzeit für mich da waren und sich meine besorgten hirngespinste jeden abend anhörten.

es ist schlicht und einfach nicht fassbar, was alles in der zeit danach passiert ist. wie viel glück mir in diesem jahr zuteil geworden ist. was für eine perfekte nische berlin für mich bereit gehalten hat. obgwohl ich mich anfänglich von der stadt beflügelt und erdrückt zugleich gefühlt habe – jetzt ist sie ein stück zuhause.

was nicht heisst, dass ich alles gesehen habe. am montag gehen wir für eine woche in den urlaub – drei tage an die ostsee. und dann, dann gehen wir auf eine städtereise – für vier tage nach berlin.

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