ode an oma

(müll-trennungsschmerz II)

2013-07-22 13.45.31

in einem blog klingt ja alles vermeintlicherweise so abenteuerlich. mein leben ist hier ja auch auf die unterhaltsamsten anekdoten kompremiert. meine oma schreibt mir darum, beim lesen meiner zeilen habe sie ein kribbeln im bauch. in anderen nachrichten meinte sie auch schon, es werde ihr ganz ‘schwindelig und flau im magen’ wenn sie von meinem ‘gefährlichen und nervenaufreibenden studentendasein’ lese. und wie es sich für eine sorgende oma gehört, so meint sie ausserdem, ich sei gleicherweise mutig und ‘doof’ – weil ich juni und juli immer noch nicht unterscheiden kann, was mir dementsprechend  administrative probleme bereitet. recht hat sie. doofes belli. (und ja: meine oma liest meinen blog. sie kommentiert ihn ausführlich in ihren langen emails. sie hat auch ein trampolin).

aber sorgen machen muss sie sich nicht, meine sehr vereehrte oma, denn in – wie sie es nennt – ‘diesem rätselhaften berlin’ passiert mir auf den durchschnitt ausgerechnet nur in absolut ertragbaren abständen etwas mässig aufregendes – dies muss hier auch einmal gesagt sein. mein leben besteht ja eigentlich grösstenteils aus klausi (meinem imaginären dackel) und oliver, dem müllmann. was klaus betrifft, der hat sich noch immer nicht materialisiert. und der müllmann hat sich bis heute nicht beruhigt. Continue reading “ode an oma”

die einsamkeit der vergangenen zukunft

2013-07-15 10.13.29

ich hab ihn. meinen heiss ersehnten ausländerausweis. im kreditkartenformat, inklusive chip – und mörderbrautfoto.

es war auch überhaupt nicht einfach, dieses kleine stück plastik zu kriegen; zuerst wusste ich ja die längste zeit überhaupt nicht, dass meine universität einen solchen ausweis von mir verlangt. dank drohender zwangsexmatrikulation erlitt ich ja dann einen tiefschürenden panikanfall – mein norweger fand mich übrigens an jenem abend heulend in der abgedunkelten badewanne vor. ich hatte endlich wohnung, job, studium, freunde UND den skandinavier hier – ich konnte das alles doch nicht wegen so etwas verlieren. die universität gewährte mir ein semester verlängerungsfrist – und das amt gab mir ein paar monate später einen termin, wo mir ja dann auch ein charmanter herr schweighöfer den erhalt des ausweis versprach.

letzten freitag, 12. juli, war endlich mein abholtermin – um neun uhr morgens. ich hatte mir FÜNF alarme gestellt – einen vor zwei wochen, einen vor einer woche, einen zwei tage zuvor, einen einen tag zuvor, und einen zwei stunden zuvor. das wort “AUSWEIS” erstrahlte an jenem tag sowohl in meinem handykalender sowie auch in meiner buchagenda – mit vielen, vielen ausrufezeichen. den termin zu verpassen konnte ich mir schlicht und einfach nicht leisten: es war der letzte tag des verlängerten semesters, und somit war es mein fester plan, den beamten meinen ausweis aus den händen zu reissen und mit ihm die ganze stadt im eiltempo zu durchqueren, um ihn unten im süden den sekretariatsangestellten eine stunde später ENDLICH vor die nase zu knallen. für dieses unternehmen hatte ich mir sogar frei genommen.

das war mein plan, ja. Continue reading “die einsamkeit der vergangenen zukunft”