ein bisschen illegal sein

ich bin ja ausländer. bis vor kurzem sogar vermutlich ein kleines bisschen illegal – wie mir ja im februar schockierend nüchtern über die sekretariatstheke hinweg mitgeteilt wurde.

ich weiss es doch bis heute nicht so genau. jedenfalls verlangte meine uni in den letzten wochen meines ersten semesters meinen ausländerausweis. den ich nicht hatte. meine deutsche, lebenslang gültige steueridentifikationsnummer hätte ich bieten können. meine deutsche versicherungskarte. meine deutsche bankkontonummer, meine deutsche handynummer, mein deutscher arbeitsort. ja, sogar meinen deutschen anmeldeschein in schöneberg hätte ich zur hand gehabt. deutschland, so dachte  ich, WEISS, dass ich hier bin. schliesslich hat eine zeit lange sogar die möglichkeit bestanden, dass mir der bürgermeister der stadt persönlich zu seinem jubiläum gratuliert (noch etwas, das ich bis heute nicht so genau verstehe). aber nichts da. ausweis oder fertig mit studium.

letzte woche durfte auch ich dann endlich meinen termin beim ausländeramt wahrnehmen, den ich ja monate im voraus habe buchen müssen. mit madame muffin als beruhigungsinstanz ging es also an einem sonnigen, warmen frühlingstag hoch in den norden berlins – ins nirgendwo, wo wir uns für eine weile an den schildern, die mit der unübersehbaren aufschrift „AUSLÄNDERAMT“ versehen waren, entlanghangelten. ich war doch etwas angespannt, denn eine freundin hatte mir erzählt, dass aussen am gebäude unter den fenstern sowie in den treppenhäusern auffangnetze angebracht seien. wozu, das darf sich jeder gerne selbst ausmalen.

wo wir dann ankamen, stellten wir auch schnell fest, dass zwar keine netze (mehr) aufgespannt waren – dafür aber war das gelände von einem hochsicherheitszaun eingegrenzt. in einem winzigen raucherböxchen zerquetschten sich qualmende ausländer gegenseitig. so setzten wir uns also in einem der zahlreichen, komplett kahlen warteräume auf eine harte holzbank und warteten auf meine nummer. bald schon blinkte sie rot auf dem display und ich wurde aufgeboten, in den raum 170 zu schreiten. vor meinem geistigen auge sah ich mich bereits stammelnd vor einer älteren, griesgrämigen beamtin mit feurigroten augen. „leider kommen sie viel zu spät,“ fauchte sie zynisch, „sie werden noch heute ausgewiesen…“ Continue reading “ein bisschen illegal sein”