butterzopf, aromat und pantli

frau belli zeigts herr thälmann.
frau belli zeigts herr thälmann.

wo anfangen? ein ganzer monat ist gerade vorüber gezogen. eine ewigkeit. was ich alles erlebt habe, das passt auf keine kuhhaut.

ich kann ja nur sehr schlecht dimensionen und proportionen abschätzen. darum haben wir in den vergangenen wochen auch das falsche bett gekauft. zweimal. beide male haben wir, nachdem ich natürlich lautstark auf die absolute richtigkeit meiner grössen-schätzung beharrt habe, die tonnenschwere last unter geächze und geschwitze in den dritten stock gehievt (und bei den 3.2-meter-hohen räumen fühlt sich das eher an wie der fünfte). und beide male, wie es sich dann herausgestellt hat, komplett vergebens. immer noch die falsche grösse. upsi. hihi.

abgesehen von einem titan-beton-bett haben wir auch gefühlte vierhundert umzugskartons und gefühlte siebenhundert möbelstücke in den gefühlten fünften stock geschleppt, denn ich war ja auf einem blitzbesuch in der schweiz. an einem kalten märzfreitag sind wir nämlich i aim garacho auf der deutschen autobahn direkt ins appenzellerland gebrettert. das war eigentlich ganz entspannend, ein mini-roadtrip hinaus aus dem vereisten berlin und rein in die südlich-tropische schweiz (ja. seitdem ich hier im hohen norden residiere, weiss ich die ehemalige nähe zu italien zu schätzen. zu spät). mal raus aus der stadt. hin zu den kuhglocken.

unter den wachsamen und leicht entsetzten vier augen des vaters und des norwegers wurde dann am nächsten tag mein komplettes hab und gut in den wagen verfrachtet. so viele sachen. ich weiss, ich weiss. bitte nicht urteilen. ich sag ja auch nichts zu eurer lego-sammlung. zwei stunden später dann ein spaziergang durch’s dorf und ein nostalgischer besuch in meiner heissgeliebten migros. ach migros. ab in’s körbchen mit dem aromat, den migros-budget-kaugummis, dem appezeller biber. kommt zu mama… dann ein kurzer spontankaffee mit freunden. ein geselliges und heimeliges abendessen im schnuggebock – inklusive handörgelimusig. mit einem knoblauch-pantli unter dem arm ging es ab nachhause. am nächsten morgen früh die ganze reise noch einmal. nur diesmal mit einem bedeutend grösseren trägheitsfaktor, da möbel, kisten, sowie eine extra-person – meiner hilfsbereiten und lieben freundin, frau bönli – im schlepptau.

in den folgenden wochen bin ich dann in eine art auspack-trance verfallen. sachen. alle meine sachen-sachen-sachen. wohin damit? welches ordnungssystem soll ich, kleiner perfektionisten-freak, anwenden? und wieviele kisten bleiben noch? gleichzeitig im trance-zustand mit frau bönli um die häuser gezogen. die sehitlik-moschee besichtigt, wo freilaufende kinder zwischen den betenden ein unbeaufsichtigtes rambazamba veranstaltet haben. über das gigantische, sozialistische ernst-thälmann-denkmal gestolpert, das fernab zwischen plattenbauten ein einsames und vergessenes dasein fröhnt. wiedermal auf den verschneiten kreuzberg gekraxelt. dreiviertelstunden hoch zum angeblich verwunschenen jüdischen friedhof gefahren, der dann leider genau an dem tag geschlossen war. dann halt wieder runter. ganz runter nach steglitz, frau bönli meine neueste horrorentdeckung, primark, zeigen.

primark, das gibt es in der kleinen schweiz nicht. denn primark, ein für mich bislang unübertroffenes exempel an konsumfreudigkeit, ist riesig. RIESIG. und als ich, kleine appenzellerin, das erste mal über steglitz sowie über primark gestolpert bin, musste ich mich erstmal entsetzt an einer sicheren stelle festkleben. einfach, damit ich nicht mitgerissen werde. denn primark besteht aus einem einzigen, entsetzlichen strom von shopping-wilden teenagern, die sich geistesabwesend und fast schon tollwütig die spottbillige war in übergrosse körbe stopfen. so etwas habe ich noch nie gesehen. NIE. das kann man sich gar nicht vorstellen. all diese menschen. und die bewegen sich ja alle.  blitzschnell. und dann diese vielen farben. und formen. die verkaufstische überquillen; berge von ware, BERGE. da sollte ich mich ja eigentlich zuhause fühlen, aber nichts da. am meisten irritieren mich die kassen. da sind gleich zwanzig davon, mit zwanzig kassierern, in einer reihe, durchnummeriert. der kunde stellt sich dann in die von den absperrungen vorgegebene schlangenbahn und wird über lautsprecher gebeten, sich zur kasse xy zu begeben. die zahl blinkt rot über den köpfen auf einem digitaldisplay. es ist ein ganz und gar einschüchterndes erlebnis. aber eines muss man sagen: primark ist unfassbar billig. unfassbar. frau bönli und ich haben unsere restliche zeit aber lieber mit butterzopf-backen und cordon-bleu-machen verbracht. und dann musste sie leider auch schon gehen. aber der nächste besucher kam auch gleich aus norwegen angeflogen.

zwischendrin schrieb ich unter gekicher eine arbeit zu “sex and the city” und wurde – ebenfalls unter gekicher – unerwarteterweise für die grossformatige titelseite einer berliner zeitung in ein sage-und-schreibe einstündiges fotoshooting verwickelt. das sollte eigentlich ein klitzekleines interview mit einem klitzekleinen bildchen werden. dachte ich. stattdessen blitzlichtregen und fotoschirme für das verdutzte belli. “ja, das wird eine super titelseite!” rief der fotograf. wiebitte? titelseite?

aber jetzt ist mehr oder minder ruhe eingekehrt. denn das neue semester hat begonnen – und das heisst, dass ich viel zeit in der vorortsoase dahlem verbringe. vogelgezwitscher, parkbänke, bibliotheken. es ist richtig beruhigend. und inspirierend. oder ich kurve mit meinem velo, das ich jetzt aus dem winterschlaf geholt habe, freudig im tollen schöneberg umher. ich bin, wie so oft, begeistert. eine freundin, madame muffin, ist auch gleich zwei strassen weiter eingezogen, da gehen wir manchmal zusammen wie zwei alte weiber im nachbarschafts-edeka auf einen gemütlichen tratsch die zutaten für unsere jeweilge abendessen pöstelen.

und ich stelle gerade fest, dass ich hier sowieso sehr alt klinge. eine alte appenzellerin. butterzopf backen, primark-schocks erleiden und migros-spaziergänge tätigen. jetzt fehlt nur noch, dass ich anfange, eine zipfelchappe zu tragen und mit mir selbst zu reden. aber das sollte noch ein weilchen dauern.

komm klausi. wir gehen.

4 thoughts on “butterzopf, aromat und pantli”

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