Frau Belli besteigt den Kreuzberg

Auf dem Gipfel des K reuzbergs (Blick auf die Großbeerenstraße)

Eigentlich wollte ich ja nur kurz zum nächstgelegenen Lidl am Oranienplatz radeln. Aber. Wie immer gab es ein Aber!

Der Oranienplatz liegt an der Oranienstraße. Und auf einer Karte habe ich vor ein paar Tagen gesehen, dass ich auf dieser Oranienstraße theoretisch fast von meiner Haustüre aus bis hin zum Checkpoint Charlie, dem wohl berühmtesten ehemaligen Grenzpunkt zwischen Ost und West, fahren könnte. Und das, ohne auch nur einen Schwenker zu machen!

Wie immer war die Versuchung einfach zu groß. Ich flitzte geradewegs am Lidl vorbei und über den Platz hinaus in Richtung Checkpoint. Der war dann auch tatsächlich dort, wo er sein sollte. Nur ich war – wie konnte es auch anders sein – wiedermal kilometerweit von meiner ursprünglichen Zieldestination, dem Lidl um die Ecke, abgeweicht.

Wir kennen das ja schon von meiner unfreiwilligen, vierstündigen Irrfahrt durch die Stadt an meinem ersten Tag in Berlin. Oder von der überraschenden Entdeckung des wohl tiefsten Hochhauses weltweit.

Na, was soll’s, dachte sich Frau Belli. Jetzt war ich ja sowieso schon weit ab vom Weg.

Checkpoint Charlie, Berlin
Checkpoint Charlie, Berlin, 2012

Also bog ich ab in die historische Friedrichstraße, runter zum belebten Mehringdamm, entlang am unspektakulären Halleschen Ufer, dann durch den gigantischen Park am Gleisdreieck. Und nach diesem brandneuen und sehr schönen Park zog es mich praktisch direkt in den nächsten, nämlich den Viktoriapark, wo ich dann also gänzlich unerwartet auf den Kreuzberg stieß.

Der Kreuzberg.

Zugegeben, irgendwo im Hinterkopf war mir ja schon bewusst, dass es den Kreuzberg geben soll. Aber ein Großteil von mir hat ihn eher für eine Art Legende gehalten. Umso überraschter war ich, als ich merkte, dass ich ihn tatsächlich gefunden hatte: Den echten, unverfälschten Kreuzberg.

Dazu muss gesagt werden, dass man – wie bereits zuvor mit dem nicht so hohen “Hochhaus” an der Karl-Marx-Allee – auch den Begriff ‘Berg’ nicht allzu eng fassen sollte.

Mit seinen entzückenden 66 Metern über Meer geht der Kreuzberg wohl nach appenzeller Verhältnissen maximal als ein Hügelchen durch. Ich würde das ja gerne anders formulieren, aber im Grunde genommen ist er aber einfach eine Erhebung in einem etwas unebenen Park.

Kreuzberg
Der imposante Anstieg, Kreuzberg

Zuoberst befindet sich allerdings ein 200 Tonnen (!!) schweres Denkmal, welches irgendein König Friedrich Wilhelm aus einem Grunde, der mir nun jedoch entfallen ist, da hochhieven ließ. Von da aus gibt es dann auch – wie üblich für einen Berggipfel – einen schönen Ausblick.

Ich war hin und weg und fand alles ganz wunderbar.

Generell war die Entdeckung des Kreuzbergs für mich eine sehr quirlige Angelegenheit – schon alleine darum, weil ich den ‘Kreuzberg’ entdeckt hatte und mich das unheimlich amüsierte.

Der Kreuzberg bietet Abenteuer.

Dann wurde ich irgendwie als Erstes bei meinem Anstieg in eine Horde von Frisbee-Werfern verstrickt und wusste vor lauter fliegenden Tellerobjekten kaum mehr, wo ich meinen Kopf noch in Sicherheit wissen durfte.

Der Kreuzberg bietet Naturschönheit.

Danach war da dieser künstliche Wasserfall (ganze 24 Meter hoch), der auch einfach aus dem Nichts auftauchte und sich – wie ich später herausfand – von der Bergspitze bis hinunter zur Stadt erstreckt.

Der Kreuzberg bietet edle Tropfen.

Auf der Rückseite des Berges entdeckte ich dann die Rebstöcke, welche komplett überraschend inmitten der 3,5 Millionen herumwuselnden Menschen still und ruhig ihr dasein genießen. Ich habe erfahren, dass hier der sogenannte ‘Kreuz-Neroberger’ angebaut wird, und ich hätte ihn so unglaublich gerne probiert – aber leider wird er angeblich nicht verkauft, und nur an ausgewählte Personen ausgeschenkt. Vermutlich an den Bürgermeister, zu dem ich ja leider bewusst per Formular den Kontakt abgebrochen hatte.

Der Kreuzberg hat eine Berghütte.

Berghütte
Die ‘Berghütte’ am Kreuzberg

Die Krönung meines alpinen Erlebnisses mitten in Berlin war dann aber die Entdeckung, dass der Kreuzberg sogar über eine ‘Berghütte’ verfügt.

Dann konnte ich also doch noch zu meinem Gläschen Wein kommen – wenn auch kein Kreuz-Neroberger.

Zu Lidl schaffte ich es letztendlich nicht mehr.

29. September 2012


PS: Mehr über den Wein gibt’s hier zu lesen.

 

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7 thoughts on “Frau Belli besteigt den Kreuzberg”

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