Schrippen, Club-Mate und Co: Ein gastronomischer Überlebensbericht

Club-Mate
Club-Mate, artistisch-hip im Flohmarkteimer präsentiert

Schrippen essen in der Stulle, und alle coolen Leute laufen mit ‘ner Club-Mate inner Hand ‘rum. Da soll mal noch einer drauskommen. Aber man lernt ja nie aus, und ich probiere – wie mein Bericht über darmlose Würste klargemacht haben sollte – liebend gerne alles, was mir fremd ist.

Die Stulle.

Also. Eine Stulle. Was das genau ist, das habe ich ehrlich gesagt bis jetzt nicht ganz begriffen.

Obwohl die Kellnerin gesagt hat: “Och Süße, asso wennde dat nicht weesst… dat kann man nisch eaklean. Komma mit!”

Natürlich wuselte ich ihr gehorsam hinterher, und sie zeigte stolz auf die Vitrine, in welcher sich ein paar Brotscheiben mit so… Sachen drauf befanden. Zugegeben, es sah hübsch aus, schön drapiert und alles – aber in meiner Welt heißt das einfach: Belegtes Brötchen (und wenn man es zusammen klappt, wird daraus ein Iklemmz, oder?!).

Stulle
Die Stulle in der “Stulle”, Berlin

Aber als ich diesen Gedankengang leider laut von mir gab, war das gute Mädchen überhaupt nicht einer Meinung mit mir. Nix da, pha, belegtes Brötchen hallo? Das ist doch jetzt wohl ein himmelweiter Unterschied!!

Ja. Dass ich da etwas falsch verstanden hatte, scheint auch mir jetzt klar.

Es muss an der Stulle etwas beinahe unerträglich Geniales sein – andernfalls würde das Café nicht den Namen dieses Schmauses tragen! Aber nun war die Stulle, die ich darauf neugierig bestellte, halt irgendwie so gar nicht anders als ein… eine belegte Scheibe Brot. Ich kann mir nicht helfen – so hat es sich für mich nun mal angefühlt!

ES TUT MIR JA LEID!

Ja und so kommt es, dass mir noch immer das ganzheitliche Verständnis für das Geheimnis der Stulle fehlt. Vielleicht komme ich in ein paar jahren dahinter.

Die Schrippe.

Dafür konnte mir die Kellnerin in einem sehr klaren Satz erklären, was denn Schrippen sind.

“Das sinn enfach Brötschen.”

Ich wartete.

Als ich merkte, dass keine weiteren Details folgen sollten und mir die Definition der “Schrippe” im Vergleich zur “Stulle” etwas gar simpel erschien, hakte ich nach: “Ein Brötchen?”

“Ja. Na so kleene normale Brötschen. Die heißen hier in Berlin so.”

Okay.

Der, die oder das Club-Mate.

Ausgesprochen: Klub Maatä. Der Club-Mate. DIE? Ich weiß es wirklich nicht.

Aber! Ich habe mir sagen lassen, dass alle hippen nicht-Berliner (die “Zugezogenen”), welche hier herziehen und das Gefühl haben, sie seien wahnsinnig cool, die trinken das alle. Ohne Ausnahme.

Der Kommentar schien mir schon dazumal etwas gar generalisierend – aber trotzdem konnte ich nicht widerstehen. Schließlich bin ich ja auch ein zugezogener nicht-Berliner, der aus offensichtlichen Gründen unfassbar cool ist. Wer hat schon was gegen ein bisschen hipp sein? Nichts wie los zum nächsten “Späti” (Getränkeladen, bestimmt nicht weiter als einhundert Meter entfernt zu finden). Und da ist es auch schon. Das, der, die Club-Mate.

Um meine eben gewonnene Coolness jedoch gleich wieder zu zerstören, so habe ich das jetzt gegoogelt: Das getränk kriegt man in der Schweiz nicht so einfach. Schmecken tut’s sehr, sehr eigenartig – das sei einfach mal vorausgeschickt.

Der bläulich-grüne Milchdrink.

Ich habe selbstverständlich nicht bei Club-Mate halt gemacht. Natürlich nicht! Irgendjemand muss Berlin ja selbstlos vorkosten und euch berichten!

Den bläulich grünen Milchdrink drüben beim Vietnamesen, den musste ich nun also ebenfalls probieren. Wie viele sicherlich bereits beim Lesen ahnen, war das vielleicht nicht die beste Idee. Jedenfalls habe ich mich danach nicht ganz so gesund gefühlt, wie das die Beschreibung des Getränks versprochen hatte. Ich rate ausdrücklich allen Lesern vom Kauf eines Getränks dieser Farbe ab.

Der verzweifelte Orangensaft.

Aber, um das Ganze noch mit einem positiven Schliff zu versehen: Es gibt am Flohmarkt des sonntäglichen Mauerparks einen Stand, an dem sich etwa vier Angestellte ununterbrochen einzig und alleine darauf konzentrieren, in einem Wahnsinnstempo Organgen auszupressen und den komplett frischen Saft für einen Euro pro Becher zu verhökern.

Zwar ist der Andrang so riesig, dass es dem Verkäufer kaum für ein Hallo oder Danke reicht. Nach der Bezahlung ruft er den Kunden verzweifelt zu: “Nimm selber, NIMM!”

Aber der Saft ist himmlisch lecker. Man fühlt sich danach unmittelbar ein Stückchen gesünder. Und – nicht wie bei der Stulle oder Club-Mate – versteht auch sofort, was daran so unglaublich cool ist.

24. September 2012

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5 thoughts on “Schrippen, Club-Mate und Co: Ein gastronomischer Überlebensbericht”

  1. Biszurhälfteschonmamehrfachkapputgelacht! In dem Fall! Und dann gleich nochma’ zweimal. (ich moderier mich dann mal selber. hahaha….)

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