Frau Belli (er)fährt Berlin am eigenen Leibe: Die legendäre Irrfahrt

Graffiti Mönsterchen
Begegnung mit einem Berlin-Mönsterchen

Diese Stadt ist GROß. Nicht, dass ich das nicht erwartet hätte.

Aber! Als ich mir beim Tagesflohmarkt des Mauerparks kurzerhand am ersten Tag meines Aufenthalts ein enorm günstiges und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zuvor geklautes Velo gekauft habe, durfte ich die Größe der Stadt buchstäblich am eigenen Leibe (er)fahren.

Man stelle sich vor, etwas über mich selbst schmunzelnd stand ich also zunächst einmal da, an diesem Markt (zu welchem ich ja unterirdisch, mit der U-Bahn, gelangt war), als glückliche Neubesitzerin eines fahrtüchtigen Rades.

Also ich stand da. Und dann plötzlich fragte ich mich, wo genau ich denn bitte stand?!

Wo war eigentlich dieser Mauerpark gelegen, so rein himmelsrichtungsmäßig? Und wie konnte ich jemals wieder “nachhause” ans Kottbusser Tor gelangen?

Nun denn, man hat ja einen Mund, also habe ich kurzerhand einen anderen Velofahrer gefragt. Der antwortete denn auch prompt: “Och du also da biste toootal am falschn Oat! Ja also da würd ich jetzt einfach gleich die Bahn nehmen.” Ich wies den lieben Herrn dann jedoch stolz auf mein neu gekauftes Rad hin und erklärte, dass ich das nicht tun wolle, sondern einfach gerne die Richtung für “den Kreuzberg” wissen würde. Er zuckte etwas ungläubig die Schultern und sagte dann widerwillig:

“Ja du also dann… wenn du jetzt diese Straße da aaaaaalles runterfährst, also wirklich alles, DURCH Friedrichshain, ÜBER die Oberbaumbrücke, VORBEI am Schlesischen Tor, VORBEI am Görlitzer Bahnhof, dann solltest du iiiiirgendwann zum Kottbusser Tor gelangen.”

Wir sind uns alle einig, es klang machbar. Ich sagte danke und radelte los.

Und radelte. Und radelte. Ja. So war das. VIER. STUNDEN. LANG. Ich muss dazu noch sagen, dass es wahnsinnig schönes Wetter war, und warm, und zwischen durch erkundete ich Parks und Seitenstraßen, trank ein Glas Weißwein in der “Lavanderia” (Lenbachstrasse 1, ein Wäschesalon, in dem man während des Waschens auch gleich noch ein Bier kippen kann), und hörte den Berlinern beim Berlinern zu. Aber trotzdem. Der Herr hatte schon Recht, als er sagte: Aaaaalles. Ich habe drei Stadtteile durchquert.

Das war also mein erster Tag.

Ich war froh um die Beschäftigung. Die Stadt erkunden wollte ich ja sowieso. Jetzt weiß ich wenigstens, dass die Danziger Straße tatsächlich enorm lang ist, und durch die halbe Stadt geht, und man auf ihr exzellent von einem Teil zum nächsten gelangt, und es überall interessante Dinge zu sehen gibt.

Ich sehe wirklich vieles.

Auch der heutige Tag hat so einiges mit sich gebracht. Um halb neun wurde uns das Wasser abgestellt, weshalb wir vor acht aufstehen und duschen mussten. Soll heissen: Ich stand um 8 Uhr frisch geputzt und hellwach auf der Matte – in einer Stadt, in der es Millionen von Dingen zu sehen gibt, von der ich jedoch wortwörtlich keinen Plan hatte.

Mein zweiter Tag involvierte denn auch ein spontanes Abendessen in der “Datscha” (Gabriel-Max-Strasse 1) mit einer wildfremden Schweizerin, die ich am Tage zuvor auf meiner unfreiwilligen Fahradtour  kennengelernt hatte. Wir verschlangen russische Teigtaschen in Kombination mit einem Getränk namens Wostock. Es hatte Tannenwaldgeschmack. Fragt nicht.

Nun warte ich zu später Stunde in meinem Kämmerchen auf meinen ersten Arbeitstag (morgen!) im schweizer Röschtischuppen des Kreuzbergs.

Alle Achtung, Heidi kommt!

17. September 2012

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10 thoughts on “Frau Belli (er)fährt Berlin am eigenen Leibe: Die legendäre Irrfahrt”

  1. Na so was, ist ja wahnsinnig interessant, wo hast du nur die Kondition hergenommen für ein vierstündiges Fährtchen durch Berlin, tapfer, muss ich sagen!!!! Einach echt bellelilike. Drugg Oemeli

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