Tag 1: Frau Belli erkundet ihr Revier

So. Der Sprung wäre geschafft und Frau Belli hat sich gestern Abend mitsamt ihrem massigen Gepäck durch die Stadt geschoben.

(Leider war es Stoßzeit, die anderen Passagiere des Busses waren nicht sehr entzückt über die junge Dame mit ihren zwei Koffern).

Unterwegs hat dann auch der Busfahrer noch einen unüberhörbaren Streit mit einem Fahrradlenker vom Zaun gebrochen und deshalb sogar  kurzerhand die Türen an der Kreuzung geöffnet, damit das sich gegenseitige Anschreien auch besser klappt. Aber anscheinend war das sogar für die (für ihre Kaltschnauzigkeit berüchtigten) Berliner außergewöhnlich, denn das ungläubige Kichern konnte allseits nicht unterdrückt werden.

Am Hauptbahnhof wurden wir dann vom Bus ausgespuckt und ich wurde unmittelbar wieder von einem sehr eifrigen Taxifahrer aufgesogen, der mich (wie er sehr betonte) über einen Schleichweg, den er sonst nie für Kunden gehe, direkt ins Herzen des Kreuzbergs einschleuste. So lud er mich dann vor meiner neuen Haustüre ab, die Klingel funktionierte einwandfrei, und meine neue Vermieterin begrüßte mich strahlend mit einer warmen Umarmung. Als sie mir dann als erstes ein Gläschen Rosé anbot (aber sicher doch!) und aus ihrem winzigen Kühlschrank ohne zu zögern einen Teller mit Käse, Oliven und Brot zauberte, da wusste ich natürlich, dass ich hier am richtigen Örtchen angekommen bin.

Es wurde geredet, ausgepackt, eingerichtet, und mir passt das bislang alles besser als ich es mir hätte träumen können (wobei, vielleicht sollte ich noch etwas abwarten damit, Lobhymnen zu singen).

Heute ist also der erste Tag – ein genüsslicher Sonntag.

Ich wurde durch einen mutigen kleinen Septembersonnenstrahl geweckt, der sich durch den Hinterhof des Gebäudes in mein Zimmerchen gewagt hatte. Viel perfekter kann es gar nicht sein!

Ich habe bekanntlich gerade noch niemanden, den ich anrufen und zum Sonntagsteekranz bitten könnte – aber ich denke, da lässt sich sicherlich was zu tun finden. Schlendern durch den Flohmarkt am Mauerpark. Meinem neuen Chef (und gleichzeitigem Nachbarn) einen Besuch abstatten. Die Galerie meiner Vermieterin besichtigen. Oder – ganz banal – einen Handyvertrag am Alexanderplatz abschließen gehen, da ja sonst nichts geöffnet hat. So wird das wohl aussehen.

So sieht der Beginn eines neuen Daseins also aus. Sonntäglich. Unspektakulär. Still.

16. September 2012

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3 thoughts on “Tag 1: Frau Belli erkundet ihr Revier”

A word with Frau Belli? Fire away!

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