Frau Belli besteigt den Kreuzberg

Auf dem Gipfel des K reuzbergs (Blick auf die Großbeerenstraße)

Eigentlich wollte ich ja nur kurz zum nächstgelegenen Lidl am Oranienplatz radeln. Aber. Wie immer gab es ein Aber!

Der Oranienplatz liegt an der Oranienstraße. Und auf einer Karte habe ich vor ein paar Tagen gesehen, dass ich auf dieser Oranienstraße theoretisch fast von meiner Haustüre aus bis hin zum Checkpoint Charlie, dem wohl berühmtesten ehemaligen Grenzpunkt zwischen Ost und West, fahren könnte. Und das, ohne auch nur einen Schwenker zu machen!

Wie immer war die Versuchung einfach zu groß. Ich flitzte geradewegs am Lidl vorbei und über den Platz hinaus in Richtung Checkpoint. Der war dann auch tatsächlich dort, wo er sein sollte. Nur ich war – wie konnte es auch anders sein – wiedermal kilometerweit von meiner ursprünglichen Zieldestination, dem Lidl um die Ecke, abgeweicht.

Wir kennen das ja schon von meiner unfreiwilligen, vierstündigen Irrfahrt durch die Stadt an meinem ersten Tag in Berlin. Oder von der überraschenden Entdeckung des wohl tiefsten Hochhauses weltweit.

Na, was soll’s, dachte sich Frau Belli. Jetzt war ich ja sowieso schon weit ab vom Weg.

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Schrippen, Club-Mate und Co: Ein gastronomischer Überlebensbericht

Club-Mate
Club-Mate, artistisch-hip im Flohmarkteimer präsentiert

Schrippen essen in der Stulle, und alle coolen Leute laufen mit ‘ner Club-Mate inner Hand ‘rum. Da soll mal noch einer drauskommen. Aber man lernt ja nie aus, und ich probiere – wie mein Bericht über darmlose Würste klargemacht haben sollte – liebend gerne alles, was mir fremd ist.

Die Stulle.

Also. Eine Stulle. Was das genau ist, das habe ich ehrlich gesagt bis jetzt nicht ganz begriffen.

Obwohl die Kellnerin gesagt hat: “Och Süße, asso wennde dat nicht weesst… dat kann man nisch eaklean. Komma mit!”

Natürlich wuselte ich ihr gehorsam hinterher, und sie zeigte stolz auf die Vitrine, in welcher sich ein paar Brotscheiben mit so… Sachen drauf befanden. Zugegeben, es sah hübsch aus, schön drapiert und alles – aber in meiner Welt heißt das einfach: Belegtes Brötchen (und wenn man es zusammen klappt, wird daraus ein Iklemmz, oder?!).

Stulle
Die Stulle in der “Stulle”, Berlin

Aber als ich diesen Gedankengang leider laut von mir gab, war das gute Mädchen überhaupt nicht einer Meinung mit mir. Nix da, pha, belegtes Brötchen hallo? Das ist doch jetzt wohl ein himmelweiter Unterschied!!

Ja. Dass ich da etwas falsch verstanden hatte, scheint auch mir jetzt klar.

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Von Bücherwäldern und darmlosen Würsten: Frau Belli auf Entdeckungstour

Bücherwald
Bücherwald, Berlin

Ich kränkle und schniefe ein bisschen vor mich hin. Ich gebe es ja zu – das mit den Fahrradtouren, das ist so eine Sache. Zwar wird jede Tour erfahrungsgemäß von mindestens einem leisen Panikanfall kurzweilig unterbrochen (wo bin ich denn jetzt schon wieder?). Aber ich kann es trotzdem nicht lassen!

Auch nicht, wenn ich erkältet bin. Schließlich ist es doch wirklich die weitaus  beste und gemütlichste Art, sich von purer Neugierde getrieben durch unerforschte Gegenden zu manövrieren. Kaum beschließe ich, jetzt also wirklich Kehrt zu machen und zurück ans Kottbusser Tor zu fahren, so kommt schon die nächste Ecke, die mich wieder fasziniert.

Ich habe unter anderem einen meinerseits absolut unerwarteten mittelalterlichen Stadtmauerteil entdeckt, der sich mitten in Mitte befindet. Außerdem? Eine rege genutzte, von Grafitti übersähte Kletterhalle in einem alten, zerfallenden Fabrikgebäude. Die Kreativität des Raumes fesselt mich. Ich bestaune einen Park, in welchem ehemalige Laster zu ständigen Unterkünften umgewandelt wurden und nun von Pflanzen überwachsen etwas dunkel anmutend einfach so dort zwischen den dichten Bäumen stehen, von ihren alternativ-angehauchten Besitzern still bewohnt.

In den Kreuzberg zurück finde ich letztendlich immer – da muss man nur dem wunderbaren Geruch von allerhand exotischem Essen folgen.

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Frau Belli trifft (vielleicht) den Berliner Bürgermeister

Draußen ist es sonnig und herbstlich warm. Drinnen riecht es nach Kaffee, die Luft ist erfüllt von lautem Frauengeschnatter.

Meine Vermieterin ist Künstlerin und so kommt es, dass auch alle ihre Freundinnen Künstlerinnen sind. Sie treffen sich um zehn gemütlich auf einen Wie-läuft-deine-Galerie-Klatsch. Die eine vom Stockwerk weiter unten, die andere direkt aus London eingeflogen. Erwartungsvoll richten sich alle Augen auf mich, die ich da so ganz und gar unkünstlerisch und mit Bettfrisur in meinen ältesten Trainerhosen einen Kaffee holen möchte.

“And what do you do, Anabel?” Stille. Continue reading “Frau Belli trifft (vielleicht) den Berliner Bürgermeister”